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Bücher / Biographien / Frauen / Hedwig von Schlesien

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Buchabbildung Hedwig von Schlesien
Pressemitteilung

Renata Schumann
Hedwig von Schlesien
Ein starkes Weib

Autoreninterview Renata Schumann

„Ein starkes Weib“ heißt der Untertitel eines historischen Romans, den die aus Schlesien stammende Autorin Renata Schumann kürzlich in einer überarbeiteten Neuauflage vorgelegt hat. Im Mittelpunkt steht Hedwig von Schlesien – pragmatische Politikerin, „Mutter der Armen“ und Heilige. Über die faszinierende Gestalt der heiligen Hedwig und ihr Verhältnis zu ihrer Nichte, Elisabeth von Thüringen, spricht Renata Schumann im Interview.

Hedwig von Schlesien wird manchmal als frühes Beispiel einer emanzipierten Frau bezeichnet. Ihr Lebensweg allerdings legt das nicht unbedingt nahe: Mit zwölf Jahren wurde die bayerische Adelige aus machtpolitischen Gründen an den Herzog von Schlesien verheiratet, mit 13 bekam sie ihr erstes Kind. Emanzipation klingt irgendwie anders...

Man kann eine historische Gestalt nur im Kontext ihrer Zeit verstehen. Hedwig von Schlesien war eine kluge und tatkräftige Persönlichkeit. Aber der Begriff emanzipierte Frau ist unzutreffend, weil sie im Rahmen des ihr Gegebenen, ihrer Zeit und ihrer sozialen Position handelte. Bestimmend für ihre Persönlichkeit war die christliche Religion.

Der Weggang aus Bayern muss für Hedwig ein Kulturschock gewesen sein, denn Schlesien lag damals am Rande der Zivilisation. Wie ist das junge Mädchen damit fertig geworden?

Der zivilisatorische Unterschied zwischen Bayern und Schlesien wird kaum richtig wahrgenommen. Es gab ihn, aber er war nicht allzu groß. Zudem waren die Fürstenhöfe abgehoben vom Leben des Volkes und in dieser Sphäre gab es kaum Unterschiede. Die Familie der schlesischen Piasten hatte 17 Jahre in Deutschland verbracht. Hedwigs Schwiegervater, Boleslaw der Lange, war ein Vertrauter Kaiser Barbarossas gewesen, an dessen Hof auch der Vater Hedwigs, Bertold von Andechs, Ansehen genoss. Sie galten als ebenbürtig.

Hedwig hat ihr Amt als Herzogin von Schlesien ausgesprochen politisch verstanden. Sie stand ihrem Ehemann beratend zur Seite, kümmerte sich um die Gerichtsbarkeit und förderte das Handwerk. War sie da eine Ausnahme in ihrer Zeit?

Selbstständig auftretende Frauen waren im Mittelalter durchaus keine Seltenheit. Es kam auch damals auf die Persönlichkeit und die begünstigenden Umstände an. Andere Beispiele sind etwa die Kaiserin Kunegunde, die während der Abwesenheit ihres Ehemanns im Reich regierte, oder Hildegard von Bingen, die ausgesprochen eigenwillig agierte. Aber auch die um eine Generation jüngere Viola, Fürstin von Oppeln und Ratibor, die als Witwe zehn Jahre für ihre Söhne ihr Land regierte, lässt sich in diesem Zusammenhang erwähnen. Über sie schreibe ich in meinem Roman „Der Piastenturm“, in dem wiederum auch Hedwig eine wichtige Rolle spielt.

Die heilige Hedwig wird oft als Brückenbauerin und Patronin der deutsch-polnischen Aussöhnung bezeichnet. Inwiefern hat sie bereits zu Lebzeiten versöhnend zwischen den verschiedenen Volksgruppen gewirkt, die damals in Schlesien lebten?

Ein nationales Bewusstsein gab es damals noch nicht. Hedwig hatte vielmehr ein christliches Sendungsbewusstsein. Sie war eine Handelnde in ihrer Zeit. Allerdings gab es zu der Zeit Menschen verschiedener Volksgruppen in Schlesien, die einheimischen Slawen, Böhmen, polnische Hofleute und die zunehmend ins Land strömende deutsche Siedler, die bald in der Mehrzahl waren. Die Fürstin war eine wichtige Bezugsperson für die deutschen Siedler und für die Einheimischen, die sie vor dem strengen polnischen Recht schützte. Sie waltete auch besonnen am Hofe und es heißt, in ihrer Umgebung habe es keinen Streit und keine Zwietracht gegeben.

Bereits zu Lebzeiten wurde Hedwig „Mutter der Armen“ genannt. Worin äußerte sich dieses Engagement?

Im Geiste der christlichen Caritas kümmerte sich die Herzogin auch um die Armen und Kranken. Sie richtete ein Hospital für aussätzige Frauen ein, Herbergen für Obdachlose, sie verteilte während einer Hungersnot Lebensmittel. Und da sie allen gegenüber freundlich war, verbreitete sich ihr Ruf als gute Landesmutter und Mutter der Armen.

Ihr Einsatz für die Armen und Entrechteten verband Hedwig mit ihrer Nichte, Elisabeth von Thüringen, deren 800. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird. Kannten sich die beiden persönlich?

In der Legenda heißt es, dass sich Hedwig ein Tuch der Elisabeth, die - früher verstorben - bereits im Ruf der Heiligkeit stand, in ihrer Sterbestunde ums Haupt gelegt hatte. Da ihr Bruder Ekbert, Bischof von Bamberg, ein sehr familienbewusster Mann, sowohl zu ihr wie auch zu ihrer Nichte Kontakte aufrecht hielt, ist anzunehmen, dass zumindest der Zug, mit dem er Elisabeth als Kind aus Ungarn nach Thüringen führte, durch Schlesien reiste. Thüringen war das Nachbarland Schlesiens und rege Kontakte waren selbstverständlich. Eine persönliche Begegnung der beiden Frauen ist also sehr wahrscheinlich. In jedem Fall hat Hedwig regen Anteil genommen am Leben ihrer Nichte. Dieses Thema wird auch im Roman behandelt.

Worin ähneln und worin unterscheiden sich die beiden Frauen?

Es gibt Ähnlichkeiten und gravierende Unterschiede zwischen den beiden heiligen Frauen. Beide handelten aus dem Zeitgeist heraus, der von der franziskanischen Bewegung inspiriert war, die vor allem Armut und Nächstenliebe propagierte. Beide waren Mystikerinnen, denen ein direktes Gotteserlebnis zuteil wurde. Der Unterschied zwischen ihnen fällt ins Auge. Elisabeth war voller jugendlichem Enthusiasmus, exaltiert, aber für einen heutigen Betrachter auch unvernünftig. Sie verschenkte das Erbe ihrer Kinder, sie ruinierte ihre Gesundheit, weil sie ihre Frömmigkeit bis zum Exzess trieb, sich kasteite und sich von ihrem Beichtvater kasteien ließ. Hedwig aber agierte als reife Frau. Sie ließ in allem die Klugheit walten, heißt es in der Legenda. Sie hatte eine Phase der Exaltation überwunden und mied das Extreme. Sie waltete nach ihrem Erweckungserlebnis weiter als Fürstin und in dieser Funktion tat sie Gutes.

Hedwig hat in ihrem Leben zahlreiche Schicksalsschläge hinnehmen müssen, darunter den frühen Tod ihres Sohnes auf dem Schlachtfeld. Wie hat sie diese Prüfungen verarbeitet?

Hedwig von Schlesien war eine tragische Mutter: Sie gebar sieben Kinder, und nur ihre Tochter Gertrud, die Äbtissin von Trebnitz, überlebte sie. Doch der Tod kleiner Kinder war damals etwas ganz Normales. Die Säuglingssterblichkeit war sehr hoch. Den Tod ihres Sohnes auf dem Schalchtfeld bei Liegnitz soll sie laut Legenda mit großer Ergebenheit hingenommen haben. Ihr Sohn hat in ihrem Verständnis seine christliche Pflicht getan, indem er sich den Heiden entgegengestellt hatte. Weil die Mongolen abzogen, galt seine Niederlage als Sieg. Ihr blieben zehn Enkelkinder, mit denen sie eng verbunden war. Sie hatte auch ein herzliches Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter Anna.

Worin liegt das Besondere von Hedwigs Spiritualität?

Einen heutigen Betrachter sollten vor allem die religiösen Praktiken faszinieren, die zu einem direkten Gotteserlebnis führten. Das ist der Teil der christlichen Spiritualität, der dem heutigen Menschen leider abhanden gekommen ist. Sie wird von der Kirche nicht mehr überliefert und viele suchen sie im Buddhismus oder in esoterischen Zirkeln.

Pragmatische Politikerin, Kämpferin gegen Not und Armut, Mystikerin – wie passen diese verschiedenen Seiten im Leben der heiligen Hedwig zusammen?

Man darf das Leben dieser Frau nicht wie ein statisches Bild betrachten. Hedwig hat in ihrem Leben eine Entwicklung durchgemacht, die von ihrer klösterlichen Erziehung in Kitzingen geprägt, über die ernsthafte Wahrnehmung ihrer Pflichten als Mutter und Landesmutter und über strenge religiöse Praktiken im späteren Alter zur mystischen Verklärung, zur Erleuchtung führte. Es war ein beispielhaft christliches Leben, das auch heute als Wegweiser dienen kann.

Kann die Verehrung der heiligen Hedwig helfen, schlesische Identität über die Generation der Vertriebenen hinaus zu bewahren?

Was können die Menschen heute von Hedwig lernen?

Joseph von Eichendorff war der Meinung, dass Heilige Wegweiser für die Menschen sind und eine existente geistige Sphäre mit unserer irdischen Existenz verbinden. Damit hat er den gleichen gedanklichen Ansatz vertreten, wie ihn später C.G.Jung formulierte, und auch Teilhard de Chardin zum Ausdruck brachte, indem er sich zur Formel der Noosphäre bekannte. Sie alle waren der Überzeugung, dass unsere reale Existenz von einer geistigen, spirituellen Wirklichkeit umgeben ist, die wir in Träumen und Gebeten, in der Meditation und Versenkung erfahren können. Auch die hohe Kunst gehört zu dieser Sphäre. Eine sinnvolle Entwicklung der Menschheit hängt von ihrer Wahrnehmung ab. Daher ist eine spirituelle Erneuerung unserer christlichen Zivilisation dringend notwendig. Hedwig von Schlesien ist eine bedeutsame Wegweiserin in dieser Richtung. Interview: Andreas Laska

Patronin der Versöhnung

Historischer Roman zum Leben der Hedwig von Schlesien erschienen


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